Starker Auftakt: IMMA-Fortbildung begeistert 130 Teilnehmer in Kassel
Am 21. März 2026 eröffnete die IMMA ihre diesjährige Fortbildungsreihe für Ärzte, Therapeuten, Heilpraktiker und Angehöriger weiterer Heilberufe. Rund 130 Teilnehmer kamen in das Schlosshotel Wilhelmshöhe in Kassel mit Blick auf den Herkules-Park.
Dr. Franz H. Enzmann, Gründer der IMMA, vermittelte in seinem Vortrag die Grundlagen der Mitochondrialen Medizin und präsentierte aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse mit ihren therapeutischen Konsequenzen. Mitochondrien sind ständig in Bewegung, tauschen sich zwischen Zellen aus und steuern alle physiologischen Vorgänge im Körper. Dr. Enzmann erläuterte: „Heute wissen wir, dass die Mitophyse® nicht nur den gesamten Stoffwechsel reguliert, sondern auch zelluläre Prozesse steuert und durch die Freisetzung mitochondrialer Peptide das Leben selbst.“ Den Begriff der Mitophyse® hat er selbst geprägt und als Wortmarke schützen lassen.

In einem weit gespannten Bogen führte er von der Geschichte der Mitochondrien-Forschung bis zu aktuellen Erkenntnissen – und zeigte, warum die Mitochondriale Medizin quasi alle medizinischen Fachgebiete betrifft.
Im zweiten Teil seines Vortrags veranschaulichte er eindrucksvoll, warum die Mitochondriale Medizin für die unterschiedlichsten Fachbereiche zunehmend an Bedeutung gewinnt. Als zentrales Konzept stellte er das sogenannte Schachbrett der Mitochondrialen Medizin vor – ein Modell, das die vielfältigen Bereiche medizinischer Therapieansätze abbildet.
Medizinischer Leiter der Fortbildung war erneut der Neurologe Dr. med. habil. Maxwell S. Damian, Consultant für Neurologische Intensivmedizin am Essex Cardiothoracic Centre, England. In seinem Vortrag beleuchtete er Mitochondriale Erkrankungen in der Akut- und Intensivmedizin – Diagnose und Behandlung. Diese Krankheiten werden primäre Mitochondriopathien genannt. Es handelt sich um vererbbare Erkrankungen, die sowohl schwer zu diagnostizieren als auch zu behandeln sind und weit über die Energieproduktion hinaus zahlreiche zentrale Zellfunktionen betreffen können. Dr. Damian forscht seit Jahren zum Schutz der Mitochondrien und ist Mitautor einer Studie zur Anwendung von Nano-Ubiquinon nach Herzstillstand zur Minimierung neurologischer Schäden; eine Therapieempfehlung, die in den Leitlinien der amerikanischen Neurologischen Gesellschaft verankert ist, in Deutschland jedoch kaum Beachtung findet.
Für Klaus-Dietrich Runow, Gründer und Leiter des Instituts für Functional Medicine und Umweltmedizin (IFU) im nahegelegenen Wolfhagen, war die Veranstaltung in Kassel praktisch ein Heimspiel. Eingangs erinnerte er an die letzte IMMA 2021 in Kassel – mitten in der Corona-Pandemie – und dankte Dr. Enzmann sowie dem IMMA-Team für die Präsenzveranstaltung in dieser schweren Zeit. Sein Vortrag über Autoimmunerkrankungen, Mikrobiom und Mitochondrientherapie lag der Schwerpunkt auf der therapeutischen Praxis. Besonders eindrücklich: der Fall einer jungen Patientin mit schweren Nahrungsmittelunverträglichkeiten und geschädigten Mitochondrien, die durch mitochondriale Therapie so weit genesen ist, dass sie heute wieder regulär zur Schule gehen kann.

Nach der Mittagspause, die von den Teilnehmern zum regen Austausch genutzt wurde, stellte Dr. Gernot Gläßer, Biochemiker und Heilpraktiker aus Leipzig, die Anwendung der Mitochondrialen Medizin im Praxisalltag ausführlich vor. Dr. Gläßer, erfahrener Labormediziner, erläuterte in seinem Praxisleitfaden zur Diagnostik und Therapie chronisch-entzündlicher, degenerativer Multisystemerkrankungen die biochemischen Grundlagen und zeigte konkrete Therapieansätze auf. Ein zentraler Befund: Weit verbreitete Nährstoffmängel wie z. B. Vitamin D (80 % der Erwachsenen sind unterversorgt.), Magnesium und B-Vitamine lassen sich durch gezielte Supplementation oft wirksam beheben. Vor allem aber unterstrich er, dass degenerative Multisystemerkrankungen stets kausale Ursachen haben, die sich durch präzise Labordiagnostik zuverlässig identifizieren lassen.

Der Leiter des Wissenschaftlichen Außendienstes der Biovis Diagnostik MVZ GmbH in Limburg, Dr. Heiko Hofmann, gewährte dann als Mikrobiologe tiefe Einblicke in die moderne mitochondriale Diagnostik. Anhand zahlreicher wissenschaftlicher Studien zeigte er, wie mitochondriale Dysfunktion mit verschiedenen Erkrankungen assoziiert ist. Eine gezielte Diagnostik ermöglicht es, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in aussagekräftige Laborparameter zu übersetzen und so die individuelle Anamnese entscheidend zu unterstützen. Moderne Labore liefern dabei Interpretationen – für Therapeuten und Patienten gleichermaßen. Kein Luxus, sondern ein effektives Werkzeug für eine gesundheitsorientierte und evidenzbasierte Therapie.
Prof. Dr. Agnes Szczepek, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Molekularbiologischen Innenohrforschungslabors der Berliner Charité, hielt ihren Vortrag zum Thema: „Ein mitomedizinischer Ansatz zur Behandlung bestimmter Formen von Schwerhörigkeit“. Prof. Szczepek gab in ihrem Vortrag wichtige therapeutische Hinweise, beispielsweise welche Medikamente ototoxisch wirken und welche gesundheitlichen Belastungen von bereits vorhandenen Hörstörungen ausgehen. In diesem Zusammenhang berichtete sie, dass Schwerhörigkeit auch der Hauptrisikofaktor für Demenz ist. Sie ging dabei auf das enge Zusammenspiel aus Sinneszellen, Nervenzellen und ihrer Energieversorgung durch gesunde Mitochondrien ein. Aus einer eigenen Studie berichtete Sie, wie bei vererbter Schwerhörigkeit aufgrund mitochondrialer Gendefekte die Substitution mit Q10 hilfreich sein kann.
Prof. Dr. Jörg Bergemann, Molekularbiologe der Hochschule Albstadt-Sigmaringen, referierte zum Thema: Mechanismen des biologischen Alterns und deren Beeinflussung – Stimulation zelleigner Schutz- und Reparatursysteme. In seinem Vortrag ging er noch einmal ausführlich auf die Besonderheiten der Mitochondrialen DNA ein, ein Thema, das Dr. Enzmann bereits dargestellt hatte. Die Mitochondriale DNA enthält die Information für Peptide, die sogenannten MPDs, die zentrale Stoffwechselwege in unserem gesamten Körper steuern. Ein spannender Vortrag, wie gewohnt mit einer Prise Humor garniert, der die Zuhörer bis zum Schluss fesselte.
Eine Ärztin, die erstmals eine Fortbildung zur Mitochondrialen Medizin besuchte, fasste ihre Eindrücke knapp zusammen: „Ein ganz toller und informativer Tag, – sehr lang – viele Informationen, aber eine super Empfehlung! Vielen Dank!“ Ein anderer Teilnehmer schrieb: „Insgesamt geballte Kompetenz und so viele Mito-Themen auf einmal! Super!“
Fazit: Ein gelungener Auftakt für die diesjährige Fortbildungsreihe. Schon am 25. April 2026 folgt die nächste Veranstaltung in Köln.
Haben Sie Interesse, an einer der nächsten Veranstaltungen teilzunehmen?
Melden Sie sich gerne an: info@imma-org.de – Tel. 06172-8560562 – Fax: 06172-676357
Angaben zu den Bildern:
- Kassel-Wilhelmshöhe mit der Herkulessäule im Hintergund; Fotograf: JanneG, Pixabay
- Der Gründer der IMMA, Dr. Franz Enzmann, Foto: IMMA
- Klaus-Dietrich Runow bei seinem Vortrag; Foto: IMMA
- Dr. Heiko Hofmann im Vortragssaal des Schlosshotels Wilhelmshöhe; Foto: IMMA