IMMA-Fortbildung Köln: Aufbruch zu neuen Ufern in der Mitochondrialen Medizin
Am 25. April 2026 gastierte die Fortbildungsreihe der International Mitochondrial Medicine Association (IMMA) bereits zum vierten Mal in Köln, und diesmal war es nicht einfach nur eine Fortsetzung der Veranstaltungsreihe, es war ein Event der besonderen Klasse, das erfrischend anders war. Fachvorträge und kollegialer Austausch vereinten sich zu einem Ereignis, das den Pioniergeist echter Wissenschaft und deren praktischen Nutzen für Arzt und Patient spürbar werden ließ. Vielen Therapeuten sind buchstäblich die Augen aufgegangen, und sie haben aus der Veranstaltung neue Ansätze für ihren therapeutischen Praxisalltag mitgenommen.
Mit über 130 Teilnehmern war der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt – darunter erneut viele Erstbesucher. Der Andrang war bereits bei der Anmeldung groß, und selbst das schöne Wetter hielt Kurzentschlossene nicht davon ab, die IMMA-Fortbildung zu besuchen.

Die Moderation hatte wieder Ben Khan übernommen. Dr. Franz Enzmann, der die Vortragsreihe eröffnete, führte aus, warum die Mitochondriale Medizin alle medizinischen Fachgebiete betrifft. Er beleuchtete die Besonderheiten dieser Zellorganellen und ging dabei auch auf die Geschichte der Mitochondrien ein. Dr. Enzmann erläuterte, dass die meisten Krankheiten – darunter auch Krebs – metabolischen Ursprungs sind und ihre Ursachen in Störungen der mitochondrialen Funktion liegen. Der mitochondriale Ansatz zielt darauf ab, eben diese Ursachen zu verstehen und zu beheben, anstatt lediglich die Symptome zu lindern. Dazu müssen die biochemischen Zusammenhänge des endokrinen Systems verstanden werden. Hierfür hat er den Begriff der Mitophyse® etabliert, da die Mitochondrien regulatorisch noch über dem Hypothalamus stehen.

Die medizinische Leitung lag beim Neurologen Dr. med. habil. Maxwell S. Damian, Consultant für Neurologische Intensivmedizin am Essex Cardiothoracic Centre, England. Mit seinem Vortrag zum Thema Mitochondriale Erkrankungen in der Akut- und Intensivmedizin – Diagnose und Behandlung ging er auf die primären Mitochondriopathien ein, vererbbare Erkrankungen, die vielfältige Zellfunktionen betreffen können. Dr. Damian forscht seit Jahren zu Mitochondriopathien.

Der Gründer und Leiter des Instituts für Functional Medicine und Umweltmedizin (IFU) Klaus-Dietrich Runow setzte die Vortragsreihe fort. In seinem Vortrag über Autoimmunerkrankungen, Mikrobiom und Mitochondriale Therapie ging er ausführlich auf die therapeutischen Ansätze ein, wie durch eine Ernährungsumstellung und gezielte Unterstützung mitochondrialer Funktionen eine echte Genesung erreicht werden kann. Allerdings, so betonte er mehrfach, müsse der Patient auch mitspielen, was nicht immer einfach zu vermitteln ist.
Nach der Mittagspause gab der Diplom-Molekularbiologe und Deputy Head of Sales, der Biovis Diagnostik MVZ GmbH, Krishan Ray, einen tiefen Einblick in die moderne Diagnostik, die für die Mitochondriale Medizin äußerst nützlich ist. So kann ein minimal-invasives Screening aus Kapillarblut bereits 75 Laborparameter bestimmen, um Defizite und Dysbalancen frühzeitig zu entdecken. Daraus kann dann eine Therapieempfehlung abgeleitet werden, die aus Änderungen des Lebensstiels, Ernährungsempfehlungen und der Supplementierung von Mikronährstoffen bestehen kann. Solche Teste eignen sich auch zur Kontrolle von Therapiefortschritten und können Anhaltspunkte für weitere Untersuchungen geben. Eine unverzichtbare Hilfe für den Therapeuten.

Im Anschluss gab Dr. Gernot Gläßer, Biochemiker und Heilpraktiker aus Leipzig, lebhafte und lehrreiche Einblicke in die praktische Anwendung der Mitochondrialen Medizin. Dr. Gläßer stellte seinen Praxisleitfaden zur Diagnostik und Therapie chronisch-entzündlicher, degenerativer Multisystemerkrankungen die biochemischen Grundlagen vor. Er verdeutlichte eindrücklich, wie biochemische Störungen im Stoffwechsel degenerative Multisystemerkrankungen begünstigen. Gerade bei unklaren Beschwerden und vielschichtiger Symptomatik lohnt sich der Blick auf kausale Ursachen, die sich durch präzise Labordiagnostik zuverlässig identifizieren lassen. Erste Erfolge lassen sich oft durch die Gabe von Mikronährstoffen und Vitaminen erreichen, sind doch heutzutage viele Menschen durch Stress und falsche Ernährung unterversorgt.
Bevor Dr. Enzmann in seinem Schlussvortrag die Ergebnisse der Tagung zusammenfasste und noch weitere Einblicke in zukünftige Anwendungen gab, sprach noch Prof. Dr. Jörg Bergemann, Molekularbiologe der Hochschule Albstadt-Sigmaringen, zum Thema Mechanismen des biologischen Alterns und deren Beeinflussung – Stimulation zelleigener Schutz- und Reparatursysteme. Mit seiner gekonnt humorvollen Art vertiefte er die speziellen Eigenschaften der Mitochondriale DNA, die nicht nur das Erbgut für die Mitochondrien selbst enthält, sondern die Informationen für spezielle Peptide, MPDs, enthalten, mit deren Hilfe der Stoffwechsel in unserem gesamten Körper gesteuert wird. Entscheidend sind hierbei die zelleigenen Reparatursysteme, die mit darüber bestimmen, wie schnell wir altern. Diese Prozesse sind nicht wie ein vorgeschriebenes Programm genetisch festgelegt, sondern lassen sich durchaus stimulieren und positiv beeinflussen.
Was in Köln besonders auffiel, war die große Neugierde und Aufgeschlossenheit der Teilnehmer. Konzentriert verfolgten sie die Vorträge und überhäuften die Referenten anschließend mit Fragen, nicht wenige eröffneten dabei mit aufrichtigem Dank für den jeweils „interessanten, spannenden und informativen Vortrag“. Der fachliche Austausch bewegte sich auf hohem Niveau, und die Referenten standen – wie bei IMMA-Fortbildungen üblich – auch noch lange nach ihrem Auftritt für Gespräche zur Verfügung. Mehrere Teilnehmer hoben außerdem hervor, wie geschickt die thematisch unterschiedlichen Referate aufeinander Bezug nahmen und so ein stimmiges Gesamtbild ergaben. Kurz: Eine rundum gelungene Veranstaltung, bei der alle Referenten verdienten Zuspruch erhielten.
Am 27.Juni 2026 wir die Fortbildungsreihe in Stuttgart fortgesetzt.
Haben Sie Interesse, an einer der nächsten Veranstaltungen teilzunehmen?
Melden Sie sich gerne an: info@imma-org.de – Tel. 06172-8560562 – Fax: 06172-676357
Angaben zu den Bildern:
- Köln Panorama, Hohenzollernbrücke, Kölner Dom; Foto: Pixabay, Fotograf Selami_Ersoy
- Ben Khan; Foto: IMMA
- Der Gründer der IMMA, Dr. Franz Enzmann; Foto: IMMA
- Der volle Saal (beim Vortrag von Dr. Maxwell Damian); Foto: IMMA
- Krishen Ray M. Sc.; Foto: IMMA